Seit wann werden Getränkeverpackungen recycelt?

Wertvolle Ressourcen werden seit Urzeiten wiederverwertet. Früher war die Beschaffung von Rohstoffen schwieriger als heute. Wertvolles Material wurde deshalb so oft wie möglich recycelt.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung gelangten mehr Menschen zu Wohlstand und verbrauchten mehr Ressourcen. Um diese in den Kreislauf zurückzuführen, wurden ab den 1970er-Jahren Recycling-Organisationen gegründet. Bis heute kümmern sie sich um die Sammlung, Entsorgung und Wiederverwertung von Rohstoffen.

Das Recyclingsystem für Getränkeverpackungen in der Schweiz basiert auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung. Seit den 1970er-Jahren werden in der Schweiz Glasflaschen separat gesammelt, Aludosen seit 1989 und PET-Getränkeflaschen seit 1990.

Wie hoch sind die Verwertungsquoten?

Die Verordnung über Getränkeverpackungen schreibt für Aluminium-, Glas- und PET-Getränkeverpackungen eine Verwertungsquote von mindestens 75 Prozent vor. Wird diese nicht erreicht, kann das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ein Pfand einführen.

Bei Aluminium beträgt die Verwertungsquote 94 Prozent, bei Glas 94 Prozent und bei PET 82 Prozent (2018).

Wieso weist PET die tiefere Verwertungsquote auf als Aluminium und Glas?

Aufgrund der guten Ökobilanz, der Unzerbrechlichkeit und des leichten Gewichts sind PET-Getränkeflaschen äusserst beliebte Getränkeverpackungen, die vor allem auch unterwegs oft genutzt werden. Dort ist die Sammlung besonders anspruchsvoll, denn viele Konsumentinnen und Konsumenten sind nicht bereit, leere PET-Getränkeflaschen weit zu tragen. Wo keine PET-Sammelstellen vorhanden sind, landen PET-Getränkeflaschen eher im Abfall.

Ein Pflichtpfand würde diese Situation noch verschärfen, weil dadurch viele Sammelstellen verloren gingen. Eine breite Allianz aus Recyclingorganisationen und öffentlichen Kooperationen lehnt daher ein Pflichtpfand ab.

Im November 2019 hielt der Bundesrat fest, dass das separate Recycling von PET-Getränkeflaschen mit einer Verwertungsquote von über 80 Prozent seit Jahren erfolgreich ist. Weil zunehmend PET-Getränkeflaschen in gemischten Kunststoffsammlungen landen, geht reines PET verloren. Der Bund und der Verein PET-Recycling Schweiz wollen das PET-Recyclinggut erhalten. Sie planen Massnahmen zur Sensibilisierung und Information der Bevölkerung.

Was wird aus den gesammelten Getränkeverpackungen?

Beim Recycling von Aluminium treten keine Qualitätsverluste auf: Aus Aludosen lassen sich neue Aludosen oder andere hochwertige Produkte herstellen. Aus Aluminiumblechen und -folien können neue Walzprodukte gefertigt werden.

Glas kann immer wieder eingeschmolzen werden. Aus Altglas wird Neuglas. Das Einschmelzen von Altglas benötigt bis zu 25 Prozent weniger Energie als das Einschmelzen primärer Rohstoffe.

PET-Getränkeflaschen werden zu Rohstoff, der für neue Produkte eingesetzt werden kann. Rund die Hälfte davon wird für die Produktion neuer PET-Getränkeflaschen eingesetzt. Auf diese Weise entsteht ein geschlossener PET-Kreislauf, der besonders umweltfreundlich ist. Der Rest des Rohstoffes wird zu Verpackungsmaterial, Textilien oder Füllstoffen verarbeitet.

Was ist umweltfreundlicher: Einweg- oder Mehrweggebinde?

Glas-Mehrweg- und PET-Einwegflaschen haben aus ökologischer Sicht beide Vor- und Nachteile. Mehrwegflaschen brauchen zusätzlich zum Transport Energie für die Reinigung. Die Reinigung verursacht zudem Abwasser. Unabhängig vom Material ist es wichtig, dass leere Gebinde zurückgegeben und recycelt werden.

Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) hat 0,5-Liter-Flaschen aus Glas und PET miteinander verglichen. Der Vergleich hat ergeben, dass beide Flaschen bis zu einer Distanz von rund 250 km ähnliche Umweltbelastungen aufweisen. Ab 250 km ist die PET-Getränkeflasche aus Sicht der Ökologie im Vorteil.

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Wieso wird Glas nach Farben getrennt gesammelt?

Die farbliche Trennung ist notwendig. Vor allem bei weissem und braunem Glas werden keine Fremdfarben toleriert. Weniger heikel ist grünes Glas. Unklare Farbtöne sowie rote und blaue Farbtöne können zum grünen Glas gegeben werden.

Was viele nicht wissen: Trinkgläser, Glasschüsseln und gläserne Gratinformen, Spiegel- und Fensterglas sowie Autoscheiben gehören nicht in den Glascontainer, sondern in die Bauschuttmulde. Sie weisen nämlich eine andere chemische Zusammensetzung auf als Verpackungsglas.

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Welche Chancen bestehen bei PET-Recycling?

Konsumentinnen und Konsumenten legen zunehmend Wert auf umweltfreundliche Verpackungen. PET erfüllt dieses Bedürfnis, denn es ist zu 100 Prozent recyclebar. Werden neue Produkte aus recyceltem PET hergestellt, kann die Hälfte der Energie gespart werden. Aktuell werden dank PET-Recycling in der Schweiz jährlich 138’000 Tonnen Treibhausgase verhindert.

Über 80 Prozent der in Umlauf gebrachten PET-Getränkeflaschen werden gesammelt und wiederverwertet. Ein Ausbau des Sammelstellennetzes und Motivationskampagnen tragen dazu bei, dass die Rücklaufquote weiter steigt.

Wie unterscheidet sich PET von anderen Kunststoffen?

PET (Polyethylenterephtalat) und PE (Polyethylen) zählen zu den wichtigsten Kunstoffen der Verpackungsindustrie. Obwohl beide aus Erdöl oder Erdgas und zum Teil aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden, sind sie unterschiedlich aufgebaut und können deshalb nicht zusammen recycelt werden.

PET ist ein Kunststoff, der zur Familie der Polyester gehört und aus Erdöl, Erdgas oder pflanzlichen Rohstoffen besteht. Er wird insbesondere für die Herstellung von Getränkeflaschen verwendet.

PE zählt zur Familie der Polyolefine. Ungefärbtes PE ist trüb und wird bei Temperaturen über 80 Grad weich.

Biokunststoffe bestehen teilweise oder ganz aus nachwachsenden Rohstoffen. Ihre biologische Abbau- und Kompostierbarkeit ist jedoch nur unter kontrollierten Bedingungen möglich. Ein Beispiel für Biokunststoffe ist PLA (Polylactide / Polymilchsäure).

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Entsteht aus PET Mikroplastik?

Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Mikroplastik wurde in Gewässern, Böden, in der Luft und in Nahrungsmitteln nachgewiesen. Mehrere Studien haben versucht, die Herkunft von Mikroplastik zu klären.

Auch PET-Getränkeflaschen wurden als Ursache von Mikroplastik verdächtigt. In einer von der ETH Lausanne durchgeführten Untersuchung zu Mikroplastik in Schweizer Gewässern wurde festgehalten, dass kein Mikroplastik gefunden werden konnte, das von PET-Getränkeflaschen stammt.

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Welches sind die grössten Quellen von Mikroplastik?

Das Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheit und Energietechnik UMSICHT hat sich in einer Studie von 2018 mit den Ursachen, Mengen und Auswirkungen von Mikroplastik befasst. Die mit Abstand grösste Quelle von Mikroplastik ist Reifenabrieb (1’228.5 Gramm pro Person und Jahr). Darauf folgen die Freisetzung bei der Abfallentsorgung (302.8 Gramm) und der Abrieb von Bitumen, das im Asphalt enthalten ist (228.0 Gramm).

Mehr beim Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheit und Energietechnik UMSICHT

Wie ist die Ökobilanz von Getränkeverpackungen?

Eine Studie zur Ökobilanz von Getränkeverpackungen im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) hat bestätigt, dass die heutigen Sammlungs- und Verwertungssysteme ökologisch sinnvoll sind.

PET-Recycling leistet einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen. Im Recyclingprozess wird viel weniger Energie benötigt als bei der Primärproduktion. Werden aus PET-Rezyklat neue Produkte hergestellt, kann die Hälfte der der Energie eingespart werden. PET-Getränkeflaschen lassen sich immer wieder einschmelzen und neu verarbeiten.

Auch mit Glas-Recycling lässt sich Energie sparen. Das Einschmelzen von Altglas benötigt bis zu 25 Prozent weniger Energie als das Einschmelzen primärer Rohstoffe.

Aludosen können, wie alle Metalle, immer wieder recycelt werden. Dabei lässt sich gegenüber der Erstherstellung bis zu 95 Prozent Energie und Kohlendioxid einsparen.

Mehr beim Bundesamt für Umwelt

Was spricht gegen ein Pflichtpfand?

Das Pfand auf Getränkeverpackungen wird immer wieder als Massnahme gegen Littering genannt. Die Fakten belegen jedoch, dass ein Pfand auf Getränkeverpackungen das Littering-Problem nicht lösen kann. Selbst wenn das Littering von Getränkeverpackungen als Folge eines Pfandes auf null sinken sollte, blieben 93 Prozent des Abfalls liegen.

Das Parlament hat Vorstösse für ein Pflichtpfand wiederholt abgelehnt. Die Einführung eines Pflichtpfands würde das erfolgreiche Schweizer Recyclingsystem vernichten. Eine Rückgabe wäre nur noch über die Verkaufsstellen möglich. Von aktuell 100’000 Sammelstellen würden nur noch 7’000 Sammelstellen übrigbleiben. Zudem wären sie nur während der Öffnungszeiten zugänglich.

In Deutschland ist die Mehrwegquote seit Einführung des Pflichtpfands 2004 um 24 Prozent gesunken. Das deutsche Umweltbundesamt hat 2010 festgehalten, dass das Pfand nicht dazu beiträgt, den Mehrweganteil zu erhöhen. Diese Feststellung trifft für ganz Europa zu.

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Stärkt ein Pflichtpfand das Recyclingsystem?

Für Länder ohne funktionierende Sammelinfrastruktur kann das Pfand eine Massnahme sein, um die Sammelquoten zu steigern. In der Schweiz haben wir aber ein sehr bewährtes und tief in der Bevölkerung verankertes Recyclingsystem, das auf Freiwilligkeit beruht.

Ein Pflichtpfand ist für das Schweizer Erfolgsmodell keine sinnvolle Ergänzung. Die freiwilligen Recyclinglösungen für Aludosen, Glas- und PET-Flaschen würden faktisch vernichtet. Negativ auswirken würde sich ein Pflichtpfand auch auf jene Kooperationen, die dafür sorgen, dass das Recyclingsystem laufend optimiert wird.

Ein Pfandsystem konzentriert sich rein auf die Sammlung. Das steht der Weiterentwicklung von klugen Recyclinglösungen im Weg. Ein Pflichtpfand würde das Recyclingsystem folglich nicht stärken.

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Was unternimmt die Getränkebranche gegen Littering?

87 Prozent des Litterings betreffen nicht Getränkeverpackungen, sondern Take-away-Verpackungen, Gratiszeitungen, Karton, Papier usw.

Die Recyclingorganisationen PET-Recycling Schweiz, IGORA und Vetroswiss gründeten 2007 die IG saubere Umwelt (IGSU). Gemeinsam mit Schweizer Unternehmen engagieren sie sich gegen Littering, ohne Verursacher zu sein. Die IGSU verfolgt das Ziel, die Bevölkerung für Littering zu sensibilisieren und den korrekten Umgang mit Abfall und Wertstoffen zu fördern.

Unabhängig davon engagieren sich viele Unternehmen auf unterschiedliche Art und Weise gegen Littering: Sie optimieren Verpackungen, stellen Recyclingbehälter auf und arbeiten mit der Öffentlichkeit zusammen.

Mehr bei der IGSU

Wo stehen wir in Bezug auf Recycling im Vergleich zum Ausland?

«Dank der Freiwilligkeit und einer beispiellosen Kooperation über die gesamte Wertschöpfungskette haben wir in der Schweiz Recyclinglösungen geschaffen, um die uns ganz Europa beneidet. Darauf dürfen wir stolz sein.», so Markus Tavernier, Präsident des Vereins Swiss Recycling.

Gemäss einem Gutachten im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) von 2017 liegt die Schweiz verglichen mit der EU auf einem hohen Niveau.

Mehr beim Bundesamt für Umwelt

Geben PET-Getränkeflaschen gefährliche Stoffe ab?

PET-Getränkeflaschen können Acetaldehyd oder Antimon abgeben. Die Stoffe sind in extrem geringen Mengen vorhanden, die nicht gesundheitsgefährdend sind.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) legt für bestimmte Stoffe Grenzwerte fest, die nicht überschritten werden dürfen. PET-Getränkeflaschen erreichen diese Grenzwerte bei Weitem nicht. Im Vergleich zu PET-Getränkeflaschen lösen sich bei anderen Lebensmittelverpackungen viel mehr Stoffe ab. Trotzdem sind auch die darin verpackten Lebensmittel längst nicht gesundheitsgefährdend.

Mehr bei PET-Recycling Schweiz

Geben PET-Getränkeflaschen Weichmacher an die Getränke ab?

Kunststoffe erhalten durch Zusätze wie Weichmacher besondere Gebrauchseigenschaften. Weichmacher machen beispielsweise PVC dehnbar. PET enthält aber keine Weichmacher. Für die Herstellung von PET-Getränkeflaschen wird ein möglichst dichtes, stabiles Material benötigt, damit sich dünne und leichte Flaschen herstellen lassen.

Konsumentinnen und Konsumenten denken beim Kunststoffnamen für PET (Polyethylenterephthalat) vielleicht an Phthalate, zu deren Gruppe die Weichmacher gehören. PET ist aber kein Phthalat. Überhaupt sind die beiden Stoffe chemisch sehr unterschiedlich.

Mehr bei PET-Recycling Schweiz

Geben PET-Getränkeflaschen Hormone an die Getränke ab?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine Studie in Auftrag gegeben, um Mineralwässer auf hormonaktive Substanzen zu untersuchen. Zwischen Mineralwässern in PET- und Glasflaschen sowie zwischen Wässern mit oder ohne Kohlensäure konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Die östrogenen Aktivitäten in den Schweizer Mineralwässern stellen kein gesundheitliches Risiko dar.

Bisphenol A gehört zu einer Gruppe von Substanzen, die hormonähnlich (östrogen) wirken können. In PET-Getränkeflaschen ist Bisphenol A nicht enthalten.

Mehr beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

Was hat dazu geführt, dass statt Glasflaschen vermehrt PET-Getränkeflaschen verwendet werden?

Bis in die 1980er-Jahre waren Mehrwegflaschen aus Glas beliebt. Mit der zunehmenden Mobilität stieg die Nachfrage nach leichten und bruchsichereren Flaschen. Einweggebinde aus PET und Aluminium traten an die Stelle von Glasflaschen.

In der Folge engagierten sich Getränkeindustrie und Handel für den Aufbau eines leistungsfähigen Recyclingsystems für Glas, Aluminium und PET. VetroSwiss, IGORA und PET-Recycling Schweiz wurden gegründet.

Können Aludosen Kühe töten?

Diverse Medien haben berichtet, dass Kühe gestorben sind, weil sie Teile von Aludosen mit der Nahrung aufgenommen haben. Tierärzte sehen das Problem in erster Linie nicht bei Aludosen, sondern bei Nägeln und Drähten, die in die Bauchhöhle stechen.

«Aluminiumteile sind zu weich, als dass sie im Kuhmagen Schaden anrichten könnten. Sie können die Magenwand nicht perforieren und werden somit in den Vormägen der Kuh verdrückt.» (Adrian Steiner, Leiter Nutztierklinik am Departement für klinische Veterinärmedizin der Universität Bern, im «Schweizer Bauer» vom 12. März 2016)

Trotzdem sind Aludosen selbstverständlich in den entsprechenden Sammelcontainern zu entsorgen.

Verursacht Aluminium Alzheimer?

Dem ist nicht so. Eine Arbeitsgruppe des «International Programme on Chemical Safety» unter der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) lieferte 1997 einen umfassenden Bericht dazu.

Laut diesem Bericht gibt es keinen Beweis, dass Aluminium die Alzheimer-Krankheit verursacht. Mehrere nationale und internationale Fachgremien sowie Gesundheitsbehörden haben dies seither bestätigt.

Mehr beim Aluminium-Verband